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ETF-Sparplan vs Sparbuch: 30 Jahre Rendite im Realitäts-Check
Wer 100 Euro monatlich über 30 Jahre in einen MSCI-World-ETF gespart hätte, hätte 2026 etwa 122.000 Euro auf dem Konto. Wer dieselbe Summe auf ein Sparbuch gelegt hätte, käme auf etwa 41.000 Euro. Die Differenz ist 81.000 Euro, fast das Doppelte des Eingezahlten. Aber: Der ETF-Sparer hätte 2008 oder 2022 zeitweise 30 bis 40 Prozent seines Standes im Minus gehabt. Dieser Ratgeber zeigt die historischen Renditen, erklärt das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts und macht klar, wann ETF-Sparpläne keine Empfehlung sind.
ETF-Sparplan oder Sparbuch ist die häufigste Anlage-Frage in deutschen Familien. Sie wird oft falsch gestellt, weil beide Produkte unterschiedliche Aufgaben haben. Das Sparbuch ist Geld-Aufbewahrung mit minimaler Verzinsung, der ETF ist Vermögensaufbau mit Marktrisiko. Wer beide gegeneinander vergleicht, sollte das Risiko mit einrechnen, nicht nur das Endkapital.
Was ein MSCI-World-ETF konkret macht
Ein MSCI-World-ETF kauft passiv die etwa 1.500 Aktien des MSCI-World-Index. Der Index gewichtet Unternehmen nach Marktkapitalisierung. Apple, Microsoft, Nvidia und die anderen großen US-Tech-Konzerne machen Stand 2026 etwa 25 Prozent des Index aus, japanische Aktien etwa 6 Prozent, deutsche etwa 2,5 Prozent.
Beliebte und kostengünstige MSCI-World-ETFs für deutsche Anleger sind:
- iShares Core MSCI World UCITS ETF (ISIN IE00B4L5Y983): Gebühr 0,20 Prozent
- Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C (ISIN IE00BJ0KDQ92): Gebühr 0,19 Prozent
- Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (ISIN IE00BK5BQT80): Gebühr 0,22 Prozent (FTSE All-World, leicht andere Zusammensetzung)
- SPDR MSCI World UCITS ETF (ISIN IE00BFY0GT14): Gebühr 0,12 Prozent
Diese ETFs sind über die meisten deutschen Direktbanken (ING, DKB, Comdirect, Trade Republic, Scalable) sparplan-fähig. Eine Sparplan-Rate ab 25 Euro mtl. ist üblich, viele Anbieter erlauben auch 10 Euro mtl.
Die historische Rendite-Vergleich
Die folgende Rechnung nimmt 100 Euro monatliche Sparrate über 30 Jahre an, von 1996 bis 2026.
Die Zahlen im Detail. 100 Euro monatlich über 30 Jahre sind 36.000 Euro Einzahlung. Bei MSCI-World-Performance 1996-2026 (durchschnittlich 7,4 Prozent p.a. in Euro nach Gebühren) ergibt sich ein Endkapital von 122.103 Euro. Bei deutschem Sparbuch im gleichen Zeitraum (durchschnittlich etwa 1,8 Prozent p.a. nach Bundesbank-Daten) ergibt sich 47.412 Euro. Differenz: 74.691 Euro.
In den Niedrigzinsjahren 2014 bis 2022 lag das Sparbuch real bei 0,2 bis 0,5 Prozent. In den 1990er Jahren noch bei 3 bis 4 Prozent. Im historischen Durchschnitt 1996-2026 ergibt das die genannten etwa 1,8 Prozent.
Was die Volatilität bedeutet
Die schöne 7,4-Prozent-Durchschnittsrendite verdeckt die unschönen Phasen dazwischen. Wer 2007 einen MSCI-World-Sparplan gestartet hat, sah folgende Stände:
- 2007: Start
- Ende 2007: leichtes Plus
- Ende 2008: 40 Prozent unter Einzahlung (Finanzkrise)
- Ende 2009: 20 Prozent unter Einzahlung
- Ende 2010: gerade so im Plus
- Ende 2012: 30 Prozent im Plus
- Ende 2019: 110 Prozent im Plus
- Ende 2020: 130 Prozent im Plus
- Ende 2022: 100 Prozent im Plus (zwischenzeitlich Verlust auf 80 Prozent)
- 2026: 170 Prozent im Plus
Wer 2008 nervös wurde und seinen Sparplan eingestellt hat, hat die wichtigste Erholungsphase verpasst. Wer den Plan durchgezogen hat, profitiert heute von der gesamten 30-jährigen Verzinsung.
Die Vanguard-Studie 2023 hat die “Cost of Missing the Best Days” für den S&P 500 ausgerechnet. Wer von 1993 bis 2023 dauerhaft investiert war, hatte 8,8 Prozent jährliche Rendite. Wer die 10 besten Tage in 30 Jahren verpasst hat, kam nur auf 4,6 Prozent. Die 10 besten Tage liegen typisch in den Phasen unmittelbar nach Crashs, also genau dann, wenn nervöse Anleger ihre Sparpläne pausieren.
Das DAI-Renditedreieck als Beweisstück
Das Deutsche Aktieninstitut veröffentlicht jährlich das Renditedreieck DAX und MSCI World. Es ist die wahrscheinlich wichtigste empirische Grundlage für Aktien-Sparpläne in Deutschland.
Die Auswertung des MSCI-World-Renditedreiecks 2024 zeigt:
- 1-Jahres-Halteperioden: Spannweite minus 41 Prozent bis plus 41 Prozent, etwa 28 Prozent aller Jahre negativ
- 5-Jahres-Halteperioden: Spannweite minus 5 Prozent bis plus 19 Prozent p.a., etwa 8 Prozent der 5-Jahres-Fenster negativ
- 10-Jahres-Halteperioden: Spannweite minus 1 Prozent bis plus 15 Prozent p.a., weniger als 2 Prozent der 10-Jahres-Fenster negativ
- 15-Jahres-Halteperioden: Spannweite plus 2 Prozent bis plus 13 Prozent p.a., kein 15-Jahres-Fenster negativ
- 20-Jahres-Halteperioden: Spannweite plus 4 Prozent bis plus 12 Prozent p.a., kein 20-Jahres-Fenster negativ
- 30-Jahres-Halteperioden: Spannweite plus 6 Prozent bis plus 9 Prozent p.a., immer deutlich positiv
Die Botschaft ist klar: Je länger die Halteperiode, desto enger und positiver die Renditeverteilung. Ein 30-Jahres-Sparplan war in der historischen Auswertung nie ein Verlust-Geschäft, egal wann er gestartet wurde.
Drei Beispiel-Lebensläufe
Beispiel 1: Junge Familie startet 2026 mit ETF-Sparplan. Sarah und Tobias, beide 32, neuer Sohn ist da. Sie wollen 150 Euro mtl. in einen MSCI-World-ETF für das spätere Studium der Kinder anlegen. Bei angenommener 6 Prozent Durchschnittsrendite (konservative Schätzung) wachsen 150 Euro mtl. über 18 Jahre auf 58.215 Euro. Bei reinem Tagesgeld zu 2 Prozent wären es 38.949 Euro. Differenz: 19.266 Euro. Wenn das Kind 2044 studiert und der Markt gerade einbricht, ist eine flexible Auszahlungsstrategie wichtig (nicht alles auf einmal verkaufen, sondern in Tranchen).
Beispiel 2: Mittelalterlicher Berufstätiger ohne Spar-Erfahrung. Ein Architekt, 48 Jahre alt, hat bisher nur Tagesgeld. Er erbt 30.000 Euro und überlegt einen Einmal-Anlage in ETFs. Bei 4,5 Prozent realistischer Netto-Rendite über 17 Jahre bis zur Rente: 30.000 wachsen auf 63.625 Euro. Bei Sparbuch zu 1,2 Prozent wären es 36.730 Euro. Differenz 26.895 Euro. Aber: Bei einem Crash mit minus 35 Prozent in den ersten 2 Jahren ist die Hälfte vorübergehend weg. Wer das nicht aushält, sollte stufenweise investieren (5.000 Euro pro Quartal über 6 Quartale verteilt).
Beispiel 3: Junges Paar, Hauskauf-Eigenkapital 2030. Sie sparen 200 Euro mtl. für die Anzahlung. Anlagehorizont 4 Jahre. Hier ist ETF die falsche Wahl, weil bei einem Crash 2029 das Eigenkapital weg sein könnte. Tagesgeld zu 3 Prozent über 4 Jahre: 10.193 Euro. ETF-Sparplan zu 7 Prozent durchschnittlich wäre 11.087 Euro, aber mit 20 Prozent Wahrscheinlichkeit unter Einzahlung. Bei kurzen Horizonten gewinnt das Tagesgeld auf Erwartungswert-Basis nicht, aber auf Risiko-Basis ja.
Was Kosten und Steuern tun
ETF-Sparpläne haben drei Kostenebenen.
Erstens: Die jährliche Fonds-Gebühr (TER). Bei guten ETFs zwischen 0,07 und 0,25 Prozent p.a. Bei aktiv gemanagten Aktienfonds 1,5 bis 2,5 Prozent. Über 30 Jahre ist eine 0,15-Prozent-ETF-Gebühr etwa 5 Prozent Endkapital-Verlust, eine 2-Prozent-Fonds-Gebühr etwa 45 Prozent.
Zweitens: Sparplan-Gebühren der Bank. Bei Discount-Brokern wie Trade Republic oder Scalable oft 0 Euro pro Ausführung. Bei klassischen Direktbanken (ING, DKB, Comdirect) 0,75 bis 1,50 Euro pro Ausführung. Bei 100 Euro mtl. Rate ist eine 1-Euro-Gebühr ein Prozent vom Sparbetrag, das ist viel.
Drittens: Abgeltungsteuer. Auf realisierte Kursgewinne und Dividenden fällt 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer) an. Beim ETF-Sparplan werden Dividenden meist intern reinvestiert (thesaurierende ETFs), die Vorabpauschale ist seit 2018 die jährliche Mini-Besteuerung dafür. Bei 30 Jahren Haltedauer und Verkauf am Ende wird auf den Gesamtgewinn pauschal 25 Prozent fällig. Der Sparer-Pauschbetrag (1.000 Euro Single, 2.000 Euro Verheiratete) kann jährlich genutzt werden.
Wann ETF-Sparen falsch ist
Drei Situationen, in denen ETF-Sparpläne keine Empfehlung sind.
Kurze Anlagehorizonte. Wer das Geld in unter 5 Jahren braucht, sollte nicht in Aktien anlegen. Die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts in einem 5-Jahres-Fenster lag historisch bei etwa 8 Prozent (DAI-Auswertung 2024). In einem 3-Jahres-Fenster bei 20 Prozent.
Hohe Schulden zu hohen Zinsen. Wer Konsumkredite zu 10 Prozent oder Dispo-Kredit zu 12 Prozent laufen hat, sollte diese tilgen, bevor er Geld in Aktien steckt. ETF-Rendite von 7 Prozent kann 12 Prozent Schuldzinsen nicht schlagen.
Hohe Risikoaversion. Wer Schlafstörungen bekommt, wenn das Depot 20 Prozent unter Wasser ist, gehört nicht in Aktien. Verkaufs-Panik im Tief zerstört Vermögen, ehrliche Selbstbeurteilung ist hier wichtiger als jede Renditeoptimierung.
Was die Daten wirklich zeigen
Die wichtigsten Erkenntnisse aus 35 Jahren MSCI-World-Daten in drei Sätzen. Erstens: Wer über 15+ Jahre einen breit gestreuten Aktien-ETF gespart hat, kam in keinem historischen Fenster auf eine negative Jahresrendite. Das ist die wichtigste empirische Aussage, die im DAI-Renditedreieck dokumentiert ist. Zweitens: Die Volatilität zwischendrin ist real und schmerzhaft. Wer einen 30-Prozent-Drawdown nicht durchhalten würde, sollte ehrlich beim Tagesgeld bleiben. Drittens: Kosten und Disziplin sind die zwei Stellschrauben, die der Anleger selbst kontrollieren kann. Niedrig-Kosten-ETFs (0,15 bis 0,25 Prozent Gebühr) und Durchhalten in Krisen schlagen 90 Prozent aller aktiv gemanagten Fonds nach 20 Jahren. Disclaimer: Dieser Ratgeber ist keine Anlageempfehlung, sondern eine Aufbereitung historischer Marktdaten. Wer konkret investieren will, sollte die eigene Risikotragfähigkeit, den Lebenshorizont und die Steuersituation mit einem unabhängigen Berater oder der Verbraucherzentrale durchgehen.
FAQ
Häufige Fragen
Was ist ein ETF und was ist ein MSCI-World-ETF speziell?
ETF steht für Exchange Traded Fund, also börsengehandelter Indexfonds. Er bildet einen Aktienindex passiv nach, kauft die enthaltenen Aktien anteilig und verteilt die Gewinne (oder reinvestiert sie). Der MSCI World ist einer der gängigsten Aktien-Indizes weltweit, er enthält etwa 1.500 große und mittlere Aktien aus 23 Industrieländern (USA, Deutschland, Japan, Großbritannien, Frankreich, Kanada und 17 weitere). US-Aktien machen etwa 70 Prozent des Index aus (Stand 2026), deutsche Aktien etwa 2,5 Prozent. Die historische Durchschnittsrendite des MSCI World inklusive reinvestierter Dividenden lag von 1990 bis 2025 bei etwa 8,2 Prozent pro Jahr (in US-Dollar). Aus deutscher Sicht in Euro umgerechnet sind es 7,1 bis 7,5 Prozent. Ein MSCI-World-ETF kostet typisch 0,12 bis 0,25 Prozent jährliche Gebühr.
Wie groß ist das Risiko bei einem ETF-Sparplan?
Aktien-Märkte schwanken stark. Der maximale Drawdown des MSCI World seit 1990 lag bei 54 Prozent (Finanzkrise 2008-2009). 2022 verlor der Index zeitweise 25 Prozent. Wer 2007 mit einem ETF-Sparplan angefangen hat, sah Ende 2008 sein Depot 40 Prozent unter dem Eingezahlten. Wer durchgehalten und weitergespart hat, war Ende 2013 wieder voll im Plus. Das Risiko bei ETF-Sparplänen ist nicht das langfristige Endkapital (das war historisch immer höher als bei Sparbuch nach 15+ Jahren), sondern die Zwischen-Schwankung. Wer das Geld in einem Tief auflösen muss (Job-Verlust, Krankheit), kann Verluste realisieren. Sparbücher haben dieses Risiko nicht, dafür eine andere Form von Verlust: die kontinuierliche Erosion durch zu niedrige Zinsen.
Was ist das Renditedreieck und wie liest man es?
Das Renditedreieck ist eine Auswertung des Deutschen Aktieninstituts (DAI), die für jede Kombination aus Kauf- und Verkaufsjahr die durchschnittliche Jahresrendite eines DAX-Investments zeigt. Die linke Achse ist das Einstiegsjahr, die untere das Verkaufsjahr. Die Farbe der Zelle zeigt die durchschnittliche Jahresrendite (grün positiv, rot negativ). Das wichtigste Ergebnis: Über alle Halte-Dauern ab 15 Jahren gab es seit 1965 nie einen Verlust beim DAX. Das wichtigste pädagogische Element: Auch bei einem schlechten Einstieg (Kauf am Höchststand vor einer Krise) wurde nach 15 bis 20 Jahren immer noch eine positive Rendite erreicht. Die durchschnittliche 15-Jahres-Rendite seit 1990 lag bei etwa 7,3 Prozent pro Jahr.
Wann ist ein Sparbuch besser als ein ETF?
In drei Situationen: Erstens bei kurzen Anlagehorizonten unter 5 Jahren. Wer das Geld definitiv in 3 Jahren braucht (Hauskauf-Anzahlung 2029), kann es nicht in Aktien parken, weil die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts in 3 Jahren statistisch bei etwa 20 Prozent liegt. Zweitens beim absoluten Notgroschen. 3 bis 6 Monatsausgaben gehören immer in Tagesgeld oder Sparbuch, nicht in Aktien. Drittens bei extremer Risikoaversion, die zu Panik-Verkäufen im Tief führt. Wer weiß, dass er einen 30-Prozent-Drawdown nicht durchhalten würde, sollte ehrlich beim Tagesgeld bleiben. Ein verfrühter Panikverkauf am Tiefpunkt der Krise zerstört mehr Vermögen als 30 Jahre niedrige Sparbuch-Zinsen.
Was sind die häufigsten Fehler bei ETF-Sparplänen?
Stiftung Warentest und das DAI haben drei Hauptfehler dokumentiert. Erstens: Markt-Timing. Wer im Sparplan pausiert, weil 'der Markt jetzt fällt', verpasst typisch die besten Tage der Erholung. Eine Vanguard-Studie 2023 zeigt: Wer in den 30 besten Tagen des Jahrzehnts 2013-2023 nicht investiert war, verlor 55 Prozent der möglichen Rendite. Zweitens: Zu viele Einzel-ETFs. Wer 12 verschiedene ETFs in seinem Depot hat, hat hohe Transaktionskosten und keinen besseren Diversifikations-Effekt als bei 2 oder 3 ETFs. Drittens: Hohe Kostenquoten. Wer einen ETF mit 0,8 Prozent jährlicher Gebühr wählt statt 0,15 Prozent, verliert über 30 Jahre etwa 18 Prozent des Endkapitals. Bei 100 Euro mtl. über 30 Jahre sind das etwa 22.000 Euro Differenz nur durch Gebühren-Wahl.
Quellen